„Bienenkunst“ erleben: Rückblick auf den Veranstaltungstag

Von der Sorge um das Tierwohl der Bienen über den Verlust der biologischen Vielfalt bis hin zu den Auswirkungen auf die Agrar- und Landwirtschaft – das Thema Bienensterben löst bei verschiedenen Menschen ganz unterschiedliche Assoziationen aus. Diese Vielfalt an Sichtweisen war Ausgangspunkt der Ausstellung „Bienenkunst. Perspektiven auf die Wirklichkeiten der Honigbiene“ und am 03. Mai 2026 im Nationalparkzentrum Ruhestein des Nationalpark Schwarzwald erlebbar.

In der Ausstellung traf Wissenschaft auf Kunst. Eröffnet wurde die Veranstaltung mit einem Impulsvortrag von Daniel Bräunling, in welchem die Debatte zum Thema Bienensterben aus soziologischer Sicht betrachtet wurde. Die Debatte findet ihren Ausgangspunkt im sogenannten „Colony Collapse Disorder“ in den USA um das Jahr 2006. Seitdem gewinnt das Thema in der medialen Berichterstattung zunehmend an Aufmerksamkeit, auch in Deutschland: Die genauere Betrachtung der Debatte verdeutlicht, dass viele Akteure diese mitgestalten und ihre Sichtweisen einbringen. Zentral für die Struktur der Debatte sind Unterscheidungen zum Beispiel zwischen Honig- und Wildbiene, Nutztier- und Wildtier, natürlich und unnatürlich oder nützlich und unnütz, die der Debatte ihre Gestalt verleihen. Diese Überlegungen und Betrachtungsweisen bilden die Grundlage der Kunstwerke und lassen sich in diesen auf unterschiedliche Art und Weise wiederfinden.

Daniel Bräunling am Rednerpult, im Hintergrund eine Präsentation zum Thema Bienensterben.
In seinem Vortrag spricht Daniel Bräunling über die Arena der Debatte zum Thema „Bienensterben“. (Bildquelle: Franziska Schreier)

Im Anschluss an den Vortrag hatten die Besuchenden in offener Atmosphäre die Gelegenheit bei Kaffee und Brezeln die verschiedenen Kunstwerke zu entdecken, die auf kreative Weise die Inhalte der Debatte aufgriffen. Ein Highlight der Ausstellung war die Bildreihe „Das, was bleibt?!“ von Nina Pelka. Die Bilderserie greift auf kreative Weise die Frage auf, wie die Welt aussehen wird, wenn Bienen aussterben. Thematisiert wird hier der Aspekt der Nützlichkeit der Bienen für den Menschen.

Foto eines bunten, abstrakten Bildes auf einer Staffelei.
Von bunt zu grau… „Das, was bleibt?!“ von Nina Pelka wirft die Frage auf, was von der Welt
übrigbleibt, wenn Bienen verschwinden. Das gezeigte Bild ist eins von mehreren aus einer
Bildreihe. (Bildquelle: Daniel Bräunling)

Mit einem aus Holz gefertigten Wabennest betonte die Künstlerin Jolanda Jerg den Kontrast zwischen Bienenkästen und Waben. Das Wabennest zeigt den Übergang von symmetrischen Bienenwaben hin zu organisch geformten Bienenwaben, wie sie von Bienen in der freien Natur gebaut werden. Damit greift das Werk zentrale Unterscheidungen aus der Debatte auf, nämlich die Differenz zwischen natürlich und unnatürlich sowie zwischen Bienen als Nutztier und Wildtier.

Der Beitrag von Cathrin Mund und Daniel Bräunling machte die vielseitigen Perspektiven der Debatte sichtbar. Besuchende konnte eigene Wortwolken aus Begriffen rund um das Thema Bienensterben auf einer Magnetwand anordnen und fotografisch festhalten. Dabei wurde einmal mehr deutlich, wie komplex und facettenreich die Debatte um das Bienensterben ist.

Ein Tisch und ein schwarzer Hintergrund mit vielen Wortschnipseln. Daneben eine Kamera.
Vielfalt der Perspektiven: Als Wordcloud visualisiert das Kunstwerk von Cathrin Mund und Daniel
Bräunling die facettenreiche Debatte zum Bienensterben. (Bildquelle: Daniel Bräunling)

Mit der Kunstausstellung war angedacht, wissenschaftliche Ergebnisse auf künstlerische Art zu vermitteln und den Besuchenden dadurch neue Perspektiven auf die Debatte anzubieten. Die Ausstellung, die weit mehr Kunstwerke umfasst als die hier gezeigten, regte die Besuchenden zum Austausch über das Thema an: Es wurden Fragen nach der Bedeutung der Bienen für den Menschen, nach ökologischen Zusammenhängen und über das Verhältnis von Mensch und Natur gestellt. Die positive Resonanz der Veranstaltung lässt vermuten, dass die Geschichte der Kunstausstellung Bienenkunst noch nicht zu Ende ist, sondern an anderem Ort und zu anderer Zeit weitergeschrieben werden darf.

Ausstellungsraum mit fünf Staffeleien auf denen Bilder stehen im Vordergrund.